Zinstief: Welche Geldanlage aktuell Sinn macht

Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 versucht die Europäische Zentralbank, durch Senkung der Leitzinsen die Konjunktur anzukurbeln und die Wirtschaftsflaute zu überwinden. So konnten die Darlehenszinsen für Finanzierungen deutlich gesenkt werden. Gleichzeitig jedoch sanken auch die Konditionen für Geldanlagen. Viele Sparer müssen jetzt mit Minizinsen leben oder sich nach Alternativen umsehen.

Die Zinsentwicklung in Europa

Die Zinsentwicklung in Europa ist eng mit dem Leitzins der Europäischen Zentralbank verbunden. Er gibt an, zu welchen Konditionen sich die Banken Geld bei der EZB leihen und demzufolge auch an ihre Kunden weitergeben können. Lag der Leitzins im Juli 2008 noch bei 4,25 Prozent, sank er bis Juli 2012 auf nur noch 0,75 Prozent. Nachfolgend wurde er noch in zwei weiteren Schritten im Mai und November 2013 auf nun 0,25 Prozent gesenkt. Da die Banken somit quasi zum Nulltarif Geld leihen können, gibt es kaum Gründe, Anlegern höhere Zinsen zu bezahlen. Eine Änderung dieses Trends ist aktuell auch nicht absehbar, denn in den südlichen Ländern Europas ist die Schuldenlast nach wie vor erdrückend. Eine Anhebung der Leitzinsen hätte hier zur Folge, dass die Staaten die Zinsen ihrer Darlehen nicht mehr bezahlen könnten und die Wirtschaft demzufolge in eine Krise geraten würde. Um dies zu verhindern, hat die Zentralbank angekündigt, den Leitzins noch über einen längeren Zeitraum auf dem heutigen niedrigen Niveau zu belassen und vorerst nicht anzuheben. Europa muss sich somit auch einen längeren Zeitraum niedriger Zinsen einstellen.

Tagesgeld oder Festgeld?

Tages- und Festgeld sind die beliebtesten Geldanlageprodukte in Deutschland. Der Grund ist vor allem die Sicherheit der Gelder, denn sie sind zum einen über den gesetzlichen Einlagenschutz in Höhe von 100.000 Euro gesichert. Zusätzlich verfügen viele Banken über weitere Sicherungssysteme, zu denen auch der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken gehört. Verluste sind bei diesen Anlagen somit ausgeschlossen. Vor allem sicherheitsorientierte Sparer greifen daher gern auf diese Anlageformen zurück, da das eingezahlte Geld hier in jedem Fall garantiert werden kann. Auch Kursverluste oder Kursschwankungen, wie diese bei Aktien oder Investmentfonds möglich sind, gibt es hier nicht. Diese Sicherheit hat jedoch auch ihren Preis, denn für Tages- und Festgeld werden aktuell die niedrigsten Zinsen geboten. Liegen die Konditionen beim Tagesgeld bei durchschnittlich nur noch einem Prozent, können Anleger bei Festgeld mit Laufzeiten von zwei Jahren nur noch rund 1,5 Prozent erzielen. Damit liegt die Rendite nicht einmal auf dem Niveau der Inflation, was zu einer stetigen Geldvernichtung führt. Dennoch kann Tagesgeld eine durchaus sinnvolle Anlage sein, zumindest für einen Teil des Vermögens, auf den Anleger kurzfristig zugreifen wollen. Zu beachten ist jedoch, dass der Zins hier variabel ist und bei weiteren Leitzinssenkungen nochmals reduziert werden kann. Für größere Anlagebeträge und längere Laufzeiten hingegen eignet sich das Festgeld, da der Zins hier für den gewählten Anlagezeitraum fest vereinbart werden kann.

Die Vorteile von Tages- und Festgeld:

+ sichere Geldanlage durch staatliche Einlagensicherung
+ keine Kursschwankungen oder Kursverluste möglich
+ Bei Tagesgeld ist die tägliche Verfügbarkeit gegeben
+ Festgeld bietet sichere Zinsen für die jeweils gewählte Laufzeit

Die Nachteile von Tages- und Festgeld:

+ Niedrige Zinsen, die oft nicht einmal das Inflationsniveau erreichen
+ Sukzessive Geldentwertung durch Niedrigzinsniveau
+ Bei Festgeld müssen feste Anlagezeiträume beachtet werden

Alternativen zum Tages- und Festgeld
Da sowohl bei Tagesgeld wie auch bei Festgeld kaum das Inflationsniveau erreicht wird, sollten sich Anleger nach Alternativen umsehen. Um der Geldentwertung zu entgehen, eignen sich beispielsweise Anlagen in Sachwerten wie Aktien, Immobilien oder geschlossenen Fonds. Aktien entwickeln sich seit dem gesunkenen Zinsen durchweg positiv, der DAX konnte allein im vergangenen Jahr gut 25 Prozent Gewinn erzielen. Auch bei Immobilien sind stetig steigende Preise zu beobachten, denn für immer mehr Anleger wird die Immobilie eine durchaus interessante Geldanlagealternative. Die steigende Nachfrage führt hier direkt zu steigenden Preisen. Anleger, die zwar in Sachwerte investieren wollen, bisher aber keine Erfahrungen in diesen Bereichen sammeln konnten, sollten sich an Experten wenden und etwa in Investmentfonds oder geschlossene Fonds investieren. Investmentfonds beispielsweise bieten eine großen Aktienkorb, durch den sich Anleger an der Börse beteiligen können. Da zahlreiche Aktien unterschiedlicher Branchen und Unternehmen enthalten sind, ist das Risiko sinkender Kurse gering. Mit geschlossenen Fonds hingegen ist es möglich, etwa in Immobilien, Photovoltaikanlagen oder Flugzeuge zu investieren. Der Fonds erwirbt diese Sachwerte und vermietet oder verleast diese. Die Miet- und Leasingeinnahmen werden dann als Rendite an die Anleger ausgeschüttet.

Mögliche Alternativen zur klassischen Sparanlage:

+ Investmentfonds mit breiter Streuung
+ Die eigene Immobilie zur Altersvorsorge
+ Geschlossene Fonds für Sachwerte

Auf die Mischung kommt es an

Um die richtige Geldanlage zu finden, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Daher ist es hier nicht möglich, individuelle Empfehlungen auszusprechen oder die eine oder andere Geldanlage zu favorisieren. Schließlich spielen hier das vorhandene Gesamtvermögen, die gewünschte Anlagelaufzeit sowie die persönliche Risikoeinstellung eine wichtige Rolle. Diese Details sollten vor einer Anlageentscheidung unbedingt berücksichtigt werden, denn in aller Regel steigen mit der Rendite auch die Risiken einer Geldanlage. Jeder Anleger sollte sich daher bewusst werden, welche Ziele er verfolgt und wie diese erreicht werden können. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, mehrere Anlagen zu nutzen und das Vermögen zu streuen. So ist es einerseits möglich, von der Sicherheit bei Tagesgeld und gleichzeitig von den Wachstumschancen am Aktienmarkt zu profitieren. Auch eine Beimischung anderer Sachwerte kann sinnvoll sein. So würden nämlich etwaige Verluste einer Anlageklasse mit Gewinnen in anderen Anlageklassen kompensiert und die Gesamtrendite steigt deutlich.