Was ist die Abgeltungssteuer und wie wirkt Sie sich auf Zinserträge aus?

Anfang 2009 wurde in Deutschland die Abgeltungssteuer eingeführt. Sie sorgt für eine pauschale Besteuerung von Kapitalerträgen und hilft so, die Steuern einheitlich zu erheben und zu berechnen. Die Abgeltungssteuer löste die bis dahin geltende Kapitalertragssteuer ab.

1. Wie hoch ist die Abgeltungssteuer?
2. Für welche Erträge gilt die Abgeltungssteuer?
3. Welche Anlagen sind abgeltungssteuerfrei?
4. Gibt es Freibeträge?
5. Kann man gezahlte Abgeltungssteuer vom Finanzamt zurückfordern?

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1. Wie hoch ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer wird für Kapitalerträge pauschal in Höhe von 25 Prozent erhoben. Zusätzlich zur eigentlichen Abgeltungssteuer fallen weiterhin 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuern an, falls Anleger kirchensteuerpflichtig sind.

Da diese Steuern für alle Anleger einheitlich gelten, müssen sie in jedem Fall abgeführt werden. Damit Anleger dieser Steuerpflicht nicht entgehen können, werden diese direkt von den Banken mit Zugang der Kapitalerträge ans Finanzamt abgeführt. Anleger erhalten im Anschluss eine Steuerbescheinigung ihrer Bank und können so die bezahlten Zinsen belegen.

2. Für welche Erträge gilt die Abgeltungssteuer?

Generell wird die Abgeltungssteuer auf alle Kapitalerträge erhoben, die Anleger durch die Investition ihres Geldes erzielen. Dies sind natürlich in erster Linie Zinsen, die etwa aus Tages- und Festgeldanlagen erzielt werden. Von 100 Euro erzielten Zinsen müssen Anleger somit 25 Euro an den Staat abtreten. Aber auch Erträge aus Lebensversicherungen, Ausschüttungen von Investmentfonds sowie Dividenden, die von Aktienunternehmen an ihre Aktionäre ausgegeben werden, sind abgeltungssteuerpflichtig und werden mit 25 Prozent Steuern belastet. Somit müssen grundsätzlich alle Kapitalanlagen, mit denen Anleger eine Rendite erzielen, versteuert werden.

Zu beachten ist, dass seit 2009 auch Kursgewinne auf Wertpapieranlagen steuerpflichtig sind und damit der Abgeltungssteuer unterliegen. Bei Wertpapieren, die vor diesem Stichtag erworben wurden, können Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer nach wie vor steuerfrei vereinnahmt werden. Diese Freibeträge für Kursgewinne wurden allerdings abgeschafft.

3. Welche Anlagen sind abgeltungssteuerfrei?

Es gibt durchaus verschiedene Kapitalanlagen, die der deutsche Staat von der Abgeltungssteuer befreit hat. Anleger beispielsweise, die in Immobilien investieren und Mieterträge erzielen, müssen die Gewinne nicht mit der Abgeltungssteuer versteuern. Dies ist besonders für Anleger interessant, die in einen geschlossenen Immobilienfonds investieren, denn die Erträge gelten hier als „Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung“ und müssen somit mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Zudem gilt bei Immobilienanlagen nach wie vor die zehnjährige Spekulationsfrist, sodass Gewinne aus Immobilieninvestments nach Ablauf von zehn Jahren steuerfrei sind.

Auch Anlagen in staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie Riester- und Rürup-Verträgen sind während der Ansparphase abgeltungssteuerfrei. Anleger müssen während des Ansparens somit keine Beträge ans Finanzamt abführen und können so deutlich mehr Kapital fürs Alter aufbauen. Erst bei der späteren Rentenzahlung erfolgt die Besteuerung der Erträge, dann allerdings mit dem persönlichen Steuersatz, der im Rentenalter oft deutlich geringer ist als die 25%ige Abgeltungssteuer.

4. Gibt es Freibeträge?

Um insbesondere Kleinsparer nicht über Gebühr zu belasten, gibt es für Anleger durchaus Freibeträge, die individuell genutzt werden können. Der so genannte Sparerpauschbetrag gilt in Höhe von 801 Euro pro Person und kann bei den jeweiligen Banken, bei denen Geldanlagen vorhanden sind, eingereicht werden. Ehepaare können demnach auf einem Freibetrag in Höhe von aktuell 1.602 Euro zurückgreifen. Kapitalerträge, die bis zu diesem Betrag erzielt werden, sind in Deutschland generell steuerfrei. Lediglich Erträge, die über diesen Freibetrag hinaus erzielt werden, unterliegen wiederum der Abgeltungssteuer und müssen somit mit 25 Prozent versteuert werden.

Der Sparerpauschbetrag, der oftmals noch als Freistellungsauftrag bezeichnet wird, steht allen Bürgern vom Kleinkind bis zum Rentner zur Verfügung. Damit der Freibetrag allerdings wirksam werden kann, muss das Formular zum Freistellungsauftrag ausgefüllt, unterschrieben und der Bank übergeben werden, die die Kapitalanlagen führt. Je nach Wunsch ist es auch möglich, nicht die gesamte Freibetragssumme bei einer Bank zu stellen, sondern die Beträge auf mehrere Institute zu verteilen. Wichtig ist jedoch, dass die Summe der Freistellungsaufträge den Höchstbetrag von 801 Euro pro Person nicht übersteigt. Andernfalls hat das Finanzamt das Recht, Aufstellungen über die tatsächlich erzeilten Erträge zu fordern und ggf. Steuernachzahlungen zu fordern.

5. Kann man gezahlte Abgeltungssteuer vom Finanzamt zurückfordern?
Mit der Zahlung der Abgeltungssteuer ist die Steuerschuld der Sparer abgegolten. Anders als vor Einführung der Abgeltungssteuer ist es somit nicht mehr nötig, die erzielten Kapitalerträge in der privaten Steuererklärung anzugeben.

Anleger jedoch, bei deren Anlage Abgeltungssteuer ans Finanzamt abgeführt wurde, können diese unter Umständen zurückfordern. Dies ist dann der Fall, wenn der persönliche Steuersatz deutlich unter 25 Prozent liegt oder der Sparer-Pauschbetrag noch nicht ausgeschöpft wurde. In beiden Fällen muss vom Steuerberater dann die Anlage KAP zu den Kapitalerträgen ausgefüllt und beim Finanzamt eingereicht werden. Hier wird dann geprüft, ob der Sparer-Pauschbetrag ggf. noch Restbeträge aufweist, sodass die belasteten Steuern vollumfänglich erstattet werden können. Ist dies nicht der Fall und liegt der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent, erhalten Anleger zumindest die Differenz als Steuerrückerstattung auf ihr Girokonto. Hierzu ist allerdings die von der Bank erstellte Steuerbescheinigung einzureichen, die nach Ablauf des Jahres, in dem die Abgeltungssteuer berechnet und abgeführt wurde, ausgestellt wird.

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