Einlagensicherung in Europa

Im Falle einer Bankeninsolvenz besteht für Anleger grundsätzlich ein hohes Ausfallrisiko, denn die Einlagen der Kunden können dann oft nicht mehr zurückgezahlt werden. Um dieses Risiko zu begrenzen, wurde innerhalb Europas eine gesetzliche Einlagensicherung geschaffen, die die Gelder der Kunden bis zu einem festgelegten Betrag schützt. Zugleich bestehen je nach Institutsgruppe eigene, ganz individuelle Sicherungssysteme, die zusätzlich zur Verfügung stehen. Mit dieser Sicherheit im Hintergrund können Bankkunden ihr Geld nahezu ohne Risiko ihrer Bank anlegen und der Bank zur Vergabe von Krediten anvertrauen.

Die Einlagensicherung und ihre Geschichte

In den vergangenen Jahrhunderten gab es verschiedene Bankenkrisen, die für viele Bankkunden zum Teil hohe Verluste bedeuteten. Konnte eine Bank im 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen, etwa weil große Kredite ausgefallen oder die Aktienkurse durch Krisen eingebrochen sind, bedeutete dies für viele Kunden auch, dass die vorhandenen Spareinlagen nicht mehr verfügbar waren. Schließlich hat die Bank die Einlagen der Kunden als Kredite weitergegeben und kann nun selbst nicht mehr darauf zurückgreifen. Die erste Einlagensicherung wurde schließlich 1937 durch die genossenschaftlichen Banken geschaffen. Die erste bundesweite Einrichtung entstand etwas später, im Jahre 1966. Eine Verpflichtung zum Beitritt in die Sicherungssysteme bestand jedoch nach wie vor nicht. Erst 1997 hat die EU-Kommission eine verbindliche Richtlinie geschaffen und damit die Einlagen der Kunden in Europa sicherer gemacht.

Die verschiedenen Stufen der Einlagensicherung
Die Einlagensicherung ist in Europa nicht nur auf eine Maßnahme beschränkt. Vielmehr gibt es verschiedene Stufen, die nacheinander greifen und so dafür sorgen, dass die Kundengelder auch im Extremfall gesichert sind.

Zu den Stufen der Einlagensicherung gehören:
- Hohe Eigenkapitalanforderungen an die Banken
- Gesetzliche Einlagensicherung innerhalb Europas
- Haftung innerhalb der Institutsgruppen (Sparkassen, Genossenschaftsbanken)
- Freiwilliger Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken

Die Eigenkapitalvorschriften der Banken
Um sicherzustellen, dass ausgefallene Kredite nicht direkt zur Insolvenz führen, müssen die Banken Eigenkapital vorhalten. Diese Verpflichtung ist im Kreditwesengesetz verankert und soll die Stabilität des Bankensystems garantieren. Nach der Bankenkrise im Jahr 2008 wurden diese Eigenkapitalvorschriften stufenweise erhöht, sodass nun garantiert werden soll, dass die Kundengelder auch bei größeren Kreditausfällen nach wie vor bedient werden können. Um zu überprüfen, ob dies tatsächlich möglich ist, führt die Europäische Zentralbank regelmäßig Stresstests durch, die die Finanzkraft aufzeigen soll. Sollte es trotz vorhandenem Eigenkapital nicht möglich sein, alle Kundengelder zu bedienen, greift die nächste Stufe der Absicherung.

Die gesetzliche Einlagensicherung in Europa
In vielen Ländern der Erde gibt es gesetzliche Regelungen zur Einlagensicherung. Muss ein Institut des Landes Insolvenz anmelden, würde der Staat einspringen und die Kundeneinlagen bis zu einem festgelegten Betrag übernehmen. In Deutschland gilt hierzu das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz. Seit Dezember 2010 sind in diesem Zusammenhang Kundeneinlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Person geschützt. Liegt ein Gemeinschaftskonto mit zwei Kontoinhabern vor, ist Geld hierauf bis zu einem Betrag von 200.000 Euro gesichert. Zusätzlich können Kunden Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften bis zu einem Betrag von 90 Prozent einklagen. Diese Einlagensicherung gilt seit Ende 2010 / Anfang 2011 in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Dänemark, Bulgarien, Österreich, Tschechien und Großbritannien.

Haftung innerhalb der Institutsgruppen
Eine einzelne Bank ist als eher kleines Unternehmen natürlich sehr krisenanfällig. Aus diesem Grund haben sich etwa Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu großen Institutsgruppen zusammen geschlossen. Innerhalb dieser Gruppe besteht die so genannte Institutssicherung, die meist auch zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften besteht. Sollte ein Institut aus der Gruppe in Schwierigkeiten geraten, übernehmen die anderen Filialen die notwendige Haftung und sorgen so für Sicherheit. Geschützt sind neben den klassischen Einlagen wie Sparguthaben und Festgelder oft auch Schuldverschreibungen von Genossenschaftsbanken und Sparkassen.

Die freiwillige Einlagensicherung der Privatbanken
Ähnlich wie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben auch die Privatbanken ein freiwilliges System zur Einlagensicherung geschaffen. Eine Verpflichtung zum Anschluss an das Sicherungssystem gibt es nicht, zahlreiche deutsche Privatbanken sind jedoch Mitglied. Auch viele ausländische Banken mit Sitz in Deutschland sind entsprechend abgesichert. Sie haben den Einlagensicherungsfonds geschaffen, in den jedes Institut je nach Größe und Summe der verwalteten Einlagen eine Art Versicherungsprämie leistet. Diese Gelder werden gesammelt und können dann im Falle der Insolvenz eines Mitgliedsinstituts ausgeschüttet werden. Aktuell gilt für Kundengelder eine Absicherung in Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank. Damit werden Einlagen meist in Millionen- oder Milliardenhöhe geschützt. Ab dem 01. Januar 2015 sollen diese Sicherungsgrenzen jedoch gesenkt werden.

Sie betragen dann:
- ab 2015: 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals
- ab 2020: 15 Prozent des haftenden Eigenkapitals
- ab 2025: 8,75 Prozent des haftenden Eigenkapitals

Trotz dieser Absenkung müssen Kunden von Privatbanken keine Risiken fürchten. Nach wie vor sind Kundengelder in Millionenhöhe geschützt und damit vollständig abgesichert.

Die Einlagensicherung des jeweiligen Instituts prüfen
Da die Sicherungsgrenzen sehr unterschiedlich sind, empfiehlt es sich bei einer Neuanlage, die Höhe der Absicherung individuell zu überprüfen. Dies gilt nicht nur bei deutschen Instituten, sondern auch bei ausländischen Banken. Diese sind vielfach mit Tages- und Festgeldangeboten auf dem deutschen Markt aktiv und buhlen mit attraktiven Konditionen um Neukunden. Da eine freiwillige Absicherung im Ausland vielfach nicht gegeben ist, sollten die Anlagen hier auf die gesetzliche Absicherung, also 100.000 Euro pro Person, beschränkt werden. Um Anlagerisiken zu entgehen, bietet es sich an, mehrere Konten bei unterschiedlichen Banken zu eröffnen und damit Investitionen zu streuen.

Staat Einlagensicherung bis Geschützter Anteil Stand
Deutschland 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Österreich 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Belgien 100.000,00 € 100 % Februar 2010
Bulgarien 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Dänemark 100.000,00 € 100 % Oktober 2010
Estland 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Finnland 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Frankreich 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Griechenland 100.000,00 € 100 % November 2008
Großbritannien 85.000 GBP (britische Pfund) 100 % Januar 2011
Irland 100.000,00 € 100 % Dezember 2010
Italien 100.000,00 € 100 % Mai 2011
Lettland 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Luxemburg 100.000,00 € 100 % Januar 2010
Malta 100.000,00 € 100 % Mai 2011
Niederlande 100.000,00 € 100 % Januar 2010
Polen 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Portugal 100.000,00 € 100 % Oktober 2010
Rumänien 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Schweden 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Slowakei 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Slowenien 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Spanien 100.000,00 € 100 % Oktober 2010
Tschechien 100.000,00 € 100 % Januar 2011
Ungarn 100.000,00 € 100 % Januar 2011
(Alle Angaben ohne Gewähr – Quelle: Wikipedia)