Der Zinskurs

Gibt es aktuell eine schleichenden Enteignung ?

4. Dezember 2014

Der Begriff der “schleichenden Enteignung” wurde von Finanzfachleuten bereits vor einigen Jahren geprägt. Er soll aufzeigen, dass niedrige Zinsen, die unterhalb des Inflationsniveaus liegen, die Vermögenssubstanz deutlich schmälern und damit Verluste verursachen können. Gefährlich ist diese Form der Enteignung vor allem deshalb, weil sie nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Schließlich bleibt die Summe auf dem Tagesgeld- oder Sparkonto konstant. Die Kaufkraft jedoch sinkt und sorgt einer Studie zufolge bei allen deutschen Sparern zusammen für Verluste von mehr als 14 Milliarden Euro pro Jahr.

Negative Realzinsen sorgen für Enteignung

Der Begriff der Enteignung ist bei vielen Menschen mit negativen Emotionen verbunden. Schließlich verliert man in diesem Zusammenhang Vermögenswerte, die man selbst nicht freiwillig hergeben wollte. In der Geschichte war Enteignung meist mit Kriegen und Auseinandersetzungen verbunden. Die schleichende Enteignung bei Vermögenswerten jedoch geht heute sehr still vonstatten. Die Europäische Zentralbank hat bereits seit 2008 die Leitzinsen schrittweise gesenkt. In der Folge haben natürlich auch die Banken und Sparkassen ihre Anlagezinsen reduziert. Mittlerweile liegt der Leitzins auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent und wurde damit nahezu abgeschafft. Banken können sich Geld sogar zum Nulltarif von der EZB leihen. Für Sparkonten und Tagesgeldkonten erhalten Anleger mittlerweile nur noch 0,05 – 0,5 Prozent, auch bei Festgeldkonten wird nur noch in wenigen Fällen die 1-Prozent-Marke überschritten. Lediglich Kreditnehmer freuen sich, denn sie profitieren vom Niedrigzinsniveau durch geringe Kreditzinsen.

Die Zinsentwicklung in Europa

Die Zinsentwicklung eines Landes oder einer Region ist maßgeblich von den Leitzinsen der jeweiligen Zentralbank abhängig. Sie zeigen, zu welchen Konditionen sich Banken Geld für Kreditvergaben leihen können und geben so die Ausrichtung für Anlage- und Kreditkonditionen. Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 lag der Leitzins in Europa noch bei 4,25 Prozent. Zu diesen Konditionen war es jedoch nicht möglich, Unternehmen und Privathaushalte zur Aufnahme neuer Kredite und damit zum Ankurbeln der Wirtschaft zu bewegen. Die Zentralbank musste handeln und reduzierte in der Folge den Leitzins. Kredite wurden billiger, was nicht nur Unternehmen, sondern auch viele Staaten freute. Sie konnten nun ihre enormen Defizite finanzieren und den Staatsbankrott abwenden. Nach wie vor sind viele Staaten, vor allem in Südeuropa, auf diese günstigen Kredite angewiesen. Da sich dies auch in absehbarer Zeit nicht ändern wird, müssen Anleger weiterhin mit Niedrigzinsen rechnen.

Bei klassischen Sparprodukten droht eine Enteignung

Die Inflation in Europa liegt aktuell auf einem sehr geringen Niveau. Für Oktober 2014 haben die Experten eine Inflationsrate von nur noch 0,4 Prozent ermittelt. Der Grund ist vor allem in den gesunkenen Energiepreisen zu suchen, deren Preis aufgrund der geringen Nachfrage fällt. Trotz dieser niedrigen Inflation ist es Sparern jedoch nicht mehr möglich, reelle Zuwächse bei ihrem Vermögen zu erzielen. Wer Geld auf dem Sparkonto zu 0,1 Prozent anlegt, verliert damit pro Jahr 0,3 Prozent. Bei einer Anlage von 10.000 Euro wären dies 30 Euro, bei 100.000 Euro erhöht sich der Verlust bereits auf 300 Euro. Und dieser Verlust steigt, je höher die Inflation liegt. Da nicht damit zu rechnen ist, dass die Zinsen steigen, wohl aber, dass die Inflation sich erhöht, sollten Sparer möglichst kurzfristig handeln. Sowohl Tagesgeld wie auch Festgeld und Sparkonten sind daher nur noch für potenzielle Rücklagen zu empfehlen. Für Geld, das längerfristig angelegt werden soll, bieten die Banken durchaus Alternativen.

Sicherheit schützt Vermögen nicht in jedem Fall

Die Deutschen sind sicherheitsorientierte Anleger. Wie aktuelle Angaben zeigen, werden gut 70 Prozent der Gelder liquide, also täglich oder kurzfristig verfügbar, angelegt. Lediglich elf Prozent der Gelder werden in Deutschland in Aktien investiert, acht Prozent in Rentenpapieren. Rohstoffanlagen können sogar gänzlich vernachlässigt werden. Der Grund für diese Ausrichtung ist vor allem die vermeintliche Sicherheit, die diese Anlagen bieten. Schließlich müssen Anleger bei Spar- oder Tagesgeldkonten weder Kursschwankungen noch Verluste fürchten. Allerdings, so zeigt die oben beschriebene Rechnung, drohen durch die schleichende Enteignung dennoch Verluste, auch wenn diese nicht auf den ersten Blick oder auf dem Kontoauszug erkennbar sind. Wie eine große deutsche Investmentbank errechnete, summiert sich dieser Verlust pro Jahr auf mehr als 14 Milliarden Euro. Daher kann es sinnvoll sein, das Risiko etwas zu erhöhen, um an der Entwicklung der Märkte teilhaben zu können.

Mögliche Anlageideen zur Umgehung der schleichenden Enteignung

Um der schleichenden Enteignung zu entgehen, bieten sich verschiedene Vermögensanlagen an. So können Anleger beispielsweise in Unternehmen, also in Aktien, investieren und bei positivem Geschäftsverlauf hohe Gewinne erzielen. Da eine Aktienanlage jedoch mit vergleichsweise hohem Risiko behaftet ist, sollten Anleger nicht ihr gesamtes Vermögen in nur einen Wert investieren. Besser ist es, das Risiko über einen Aktienfonds zu streuen. Wer mehr Sicherheit sucht, kann alternativ auf einen Mischfonds wählen, der festverzinsliche Wertpapiere und Aktien kombiniert. Letztlich bietet sich auch eine Investition in Immobilien an, die aus langfristiger Sicht stets positive Renditen erwirtschaften konnten. Neben offenen Immobilienfonds ist es auch hier möglich, Mischfonds mit einem Immobilienanteil zu wählen und die Anlage so breiter aufzustellen. Die individuelle Zusammensetzung der Anlagen ist natürlich vom jeweiligen Risikoprofil und dem Anlagehorizont abhängig und sollte mit einem Vermögensverwalter oder einem Bankberater besprochen werden.

Mit diesen Anlagen sind positive Renditen möglich:

  • Investmentfonds in Aktien oder Renten
  • Mischfonds bzw. Vermögensverwaltungen
  • Offene Immobilienfonds
  • Anlagen in Rohstoffen wie Gold, Silber und Edelsteinen
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