Leitzins

Der Leitzins ist der derjenige Zins einer Zentralbank, zu dem diese hauptsächlich Geld an Geschäftsbanken verleiht. Diese Darstellung ist einfach und verständlich, allerdings auch verkürzt. In Wahrheit gibt es immer verschiedene Leitzinsen, bei der EZB beispielsweise im Dezember 2012 einen Einlagesatz von 0,00 Prozent, einen Hauptrefinanzierungssatz von 0,75 Prozent (der offizielle “Leitzins”) und einen Spitzenrefinanzierungssatz von 1,50 Prozent. Für Sparer, Kreditnehmer und die volkswirtschaftliche Betrachtung kann der offizielle Leitzins jedoch herangezogen werden.

Leitzinsen und ihre Bedeutung
Die großen Zentralbanken der Welt operieren durchaus mit sehr verschiedenen Leitzinsen. Ende 2012 liegen sie in Europa bei 0,75 Prozent, in den USA (FED) bei 0,25 Prozent, in Großbritannien bei 0,5 Prozent, in Japan schon sehr lange bei 0,1 Prozent, in China jedoch bei 6,0 Prozent und in der Ukraine gar bei 7,5 Prozent. Die Leitzinsen bedingen alle übrigen Zinsen einer Wirtschaft, weil Geschäfts- und Privatbanken permanent – sehr kurzfristig, mittel- und längerfristig – bei den Zentralbanken Geld aufnehmen und zu höheren Zinsen an die Wirtschaft und die Verbraucher weitergeben. Auch parken sie eigenes Geld zu geringen Zinsen bei der Zentralbank (derzeit 0,00 Prozent in Europa), was ihre eigene Zinspolitik bei Tages- und Festgeldanlagen beeinflusst. Sollten wirtschaftlich agierende Banken nämlich bei ihrer Zentralbank keine Zinsen auf Einlagen erhalten, ist es für sie sinnvoller, beispielsweise Tagesgelder von privaten Kunden einzuwerben.

Leitzins als Steuerungsinstrument
Der Leitzins gilt als eines der wichtigsten Steuerungsinstrumente von Zentralbanken. Die Inflation kann durch Anhebungen bekämpft, die umlaufende Geld- und Kreditmenge gesteuert werden. Hierzu gibt es unterschiedliche Theorien und zwangsläufig auch Auffassungen der Zentralbanker selbst. Jüngste Erkenntnisse sprechen dafür, dass Leitzinsen einen deutlichen Effekt auf die Wirtschaft ausüben, Leitzinssenkungen können die Konjunktur beleben. Gleichzeitig beschwören sie auch die Gefahr von Inflation herauf. Tagesgeldzinsen steigen mit höheren Leitzinsen, allerdings ist das kein Automatismus, sondern wird von den Banken individuell bestimmt.

05.12.2012

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